Ein leicht aufgerauter Rollladengurt muss nicht sofort ersetzt werden. Wird der Rand jedoch deutlich schmaler, lösen sich tragende Fäden oder läuft der Gurt nur noch ruckartig durch die Führung, sollte der Rollladen nicht länger regelmäßig benutzt werden. Reißt der Gurt vollständig, kann der Rollladenpanzer unkontrolliert absinken. Vor einem Austausch lohnt sich außerdem die Prüfung, warum der Verschleiß entstanden ist – sonst wird auch der neue Gurt bald beschädigt.
Oberflächliche Fusseln oder geschwächter Gurt?
Entscheidend ist nicht allein, ob einzelne Fasern sichtbar sind. Ein gewebter Rollladengurt kann mit der Zeit oberflächlich aufrauen, ohne unmittelbar seine Tragfähigkeit zu verlieren. Kritisch wird es, wenn das Gewebe an einer Stelle erkennbar Substanz verliert.
Für die Beurteilung sollte der Rollladen vollständig heruntergelassen werden. Dadurch ist der sichtbare Gurtabschnitt weitgehend entlastet und lässt sich vorsichtig kontrollieren. Besonders genau solltest du die Bereiche ansehen, die beim Hochziehen durch die obere Gurtdurchführung oder beim Aufwickeln in den Gurtwickler laufen.
- Beobachten: Der Gurt ist nur leicht fusselig, besitzt über die gesamte Länge noch dieselbe Breite und läuft gleichmäßig.
- Zeitnah austauschen: Eine Kante ist sichtbar ausgefranst, der Gurt wird örtlich schmaler oder einzelne Fadenbündel lösen sich.
- Nicht weiter benutzen: Das Gewebe ist eingerissen, mehrere tragende Fäden sind durchtrennt oder der Gurt hält den Rollladen nur noch ruckartig.
Auch eine harte, glänzende oder stark geknickte Stelle ist ein Warnzeichen. Dort wurde das Gewebe häufig gequetscht oder wiederholt über eine Kante gezogen. Lässt sich der Gurt an dieser Stelle leicht auseinanderziehen oder ist die Struktur deutlich dünner als daneben, ist ein Wechsel die sichere Entscheidung.
Die Schadstelle verrät häufig die Ursache
Ein Rollladengurt verschleißt durch viele Bewegungszyklen. Einseitiges Ausfransen deutet jedoch oft darauf hin, dass der Gurt nicht mittig oder nicht frei läuft. Die Position der Beschädigung hilft bei der Eingrenzung.
Schaden nahe der oberen Gurtdurchführung
Sitzt die aufgeraute Stelle überwiegend im oberen Bereich, kann der Gurt an der Durchführung scheuern. Ursache kann eine raue Kante, eine verschlissene Führungsrolle oder ein schiefer Gurtlauf sein. Ziehe den Rollladen langsam ein kurzes Stück hoch und beobachte, ob der Gurt mittig in die Öffnung läuft. Berührt er dauerhaft nur eine Seite, sollte die Führung zusammen mit dem Gurt geprüft werden.
Verschleiß unmittelbar über dem Gurtwickler
Franst der Gurt hauptsächlich dort aus, wo er in den Wickler eintritt, kommen eine scharfkantige Abdeckung, eine ungünstige Ausrichtung oder eine nicht sauber arbeitende Wickelmechanik infrage. Knicke und seitliche Falten zeigen, dass der Gurt möglicherweise nicht flach auf die Rolle gelangt.
Beschädigung mitten auf der freien Gurtstrecke
Eine einzelne Schadstelle außerhalb der Führungen kann durch Quetschen oder Einklemmen entstanden sein. Denkbar sind beispielsweise ein Möbelstück, ein Fenstergriff oder ein Gegenstand, der wiederholt gegen den gespannten Gurt drückt. Wird nur der Gurt ersetzt, muss diese Kontaktstelle vorher beseitigt werden.
Eine klare Entscheidung in drei Prüfungen
- Breite vergleichen: Halte den beschädigten Abschnitt optisch gegen einen unversehrten Teil. Ist die Schadstelle sichtbar schmaler, fehlt bereits tragendes Gewebe.
- Gewebe ansehen: Lose Oberflächenfasern sind weniger kritisch als durchtrennte Längsfäden, offene Risse oder eine Stelle, an der sich das Gewebe auseinanderzieht.
- Lauf kontrollieren: Bewegt sich der Rollladen nur mit ungewöhnlich hohem Kraftaufwand, ruckelt der Gurt oder wandert er seitlich, sollte die Mechanik geprüft werden. Mehr Kraft aufzuwenden beschleunigt den Schaden.
Bleibt nach diesen Prüfungen nur eine leichte Aufrauung ohne Breitenverlust, kannst du den Zustand zunächst in kurzen Abständen beobachten. Markiere die Grenzen der Stelle nicht mit Klebeband oder einer Klammer, da beides in der Durchführung hängen bleiben kann. Ein Foto mit Datum eignet sich besser, um eine Veränderung zu erkennen.
Bei einem Riss, deutlichem Materialverlust oder fortschreitendem Ausfransen ist Abwarten keine sinnvolle Option. Lass den Rollladen unten, bis der Gurt gewechselt wurde. So muss der beschädigte Gurt den schweren Rollladenpanzer nicht in angehobener Position halten.
Warum Abschneiden oder Überkleben nicht ausreicht
Lose Fasern können vorsichtig bündig entfernt werden, damit sie sich nicht verfangen. Das stellt die ursprüngliche Festigkeit des Gewebes aber nicht wieder her. Brenne Kunstfasern nicht mit einem Feuerzeug ab: Die Hitze kann weiteres Material schädigen, harte Kanten erzeugen und angrenzende Oberflächen gefährden.
Klebeband, Textilkleber oder ein aufgenähtes Stück sind ebenfalls keine belastbare Reparatur. Eine solche Verdickung läuft häufig nicht sauber durch die Gurtdurchführung und den Wickler. Zudem bleibt die geschwächte Stelle unter der Abdeckung verborgen, obwohl sie bei jeder Betätigung belastet wird.
Was vor dem Austausch feststehen muss
Der Ersatzgurt muss zur vorhandenen Anlage passen. Maßgeblich sind vor allem die Gurtbreite, die benötigte Länge und der Aufbau des Gurtwicklers. Die Breite lässt sich an einem unbeschädigten Abschnitt messen; die ausgefranste Kante selbst liefert kein verlässliches Maß. Bei der Länge sollte der alte Gurt nicht vorschnell abgeschnitten werden, bevor sein Verlauf und seine Befestigung geklärt sind.
Ein Austausch betrifft zwei Bereiche: die Verbindung im Rollladenkasten und den federbelasteten Gurtwickler. Je nach Bauart ist der Kasten innen zugänglich, verputzt, tapeziert oder Teil eines schwer erreichbaren Systems. Auch Wickler können aufgesetzt oder in die Wand eingelassen sein. Deshalb gibt es keine universelle Demontagereihenfolge für jede Wohnung.
Im Gurtwickler steht die Rolle unter Federspannung. Wird sie unkontrolliert gelöst, kann sie zurückschnellen. Der Rollladenpanzer muss außerdem gegen Bewegung gesichert sein, bevor der alte Gurt von seiner Befestigung getrennt wird. Wer Aufbau, Sicherung oder Federspannung nicht eindeutig erkennt, sollte den Wechsel einem Rollladenbetrieb oder einer entsprechend erfahrenen Fachkraft überlassen.
In der Mietwohnung erst Zuständigkeit und Eingriff klären
Bei einem fest eingebauten Rollladen gehört nicht nur der sichtbare Gurt zur Anlage. Das Öffnen des Rollladenkastens oder eines Unterputzwicklers kann Tapete, Putz, Anstrich und Abdeckungen betreffen. Informiere den Vermieter oder die Hausverwaltung daher vor einem Eingriff, besonders wenn die Ursache möglicherweise in einer defekten Führung oder Mechanik liegt.
Dokumentiere die ausgefranste Stelle, den schiefen Gurtlauf und mögliche Schäden an der Durchführung mit Fotos. Das erleichtert die Abstimmung darüber, ob nur ein üblich verschlissener Gurt oder zusätzlich ein Bauteil der Rollladenanlage instand gesetzt werden muss. Welche Kostenregelung gilt, hängt unter anderem vom Mietvertrag, von der Ursache und vom Umfang der Arbeit ab; eine pauschale Zuordnung ist deshalb nicht sinnvoll.
Nach dem Wechsel zählt der gerade Lauf
Ein neuer Rollladengurt sollte flach, ohne Verdrehung und mit gleichmäßigem seitlichem Abstand durch die Führungen laufen. Prüfe den Rollladen zunächst langsam über einen Teil des Weges. Wandert der Gurt zu einer Kante, bildet er Falten oder entstehen sofort neue Abriebspuren, sollte die Bewegung abgebrochen und die Ausrichtung korrigiert werden.
Läuft der Gurt gerade, kann der Rollladen anschließend vorsichtig vollständig geöffnet und geschlossen werden. Dabei darf der Gurt nicht schlagartig in den Wickler zurückschnellen. Auffällige Geräusche, hoher Kraftbedarf oder ein schiefer Rollladenpanzer sprechen dafür, dass der Verschleiß nicht allein vom alten Gurt verursacht wurde. In diesem Fall ist eine Prüfung der gesamten Anlage sinnvoll, bevor der neue Gurt erneut Schaden nimmt.