Du hast die Dichtung gewechselt, alles wieder zusammengebaut, das Wasser aufgedreht – und trotzdem tropft der Wasserhahn weiter. Genau dieses Problem ist extrem verbreitet und sorgt regelmäßig für Frust, weil man eigentlich „alles richtig gemacht“ hat. In vielen Fällen liegt die Ursache nicht an der neuen Dichtung selbst, sondern an Bauteilen, die oft übersehen oder falsch eingeschätzt werden.
Ein tropfender Wasserhahn ist dabei nicht nur nervig, sondern kann auf Dauer auch Wasser verschwenden, Kalkablagerungen verstärken und andere Teile im Inneren beschädigen. Um das Problem dauerhaft zu lösen, muss man verstehen, woher das Tropfen wirklich kommt und warum eine neue Dichtung allein häufig nicht ausreicht.
Wie ein Wasserhahn überhaupt dichtet
Um zu verstehen, warum das Tropfen bleibt, hilft ein Blick auf die Funktionsweise. Ein Wasserhahn wird nicht durch eine einzelne Dichtung dicht, sondern durch das Zusammenspiel mehrerer Bauteile.
Je nach Bauart gibt es zwei Haupttypen:
- klassische Zwei-Griff-Armaturen mit Ventiloberteil
- Einhebelmischer mit Kartusche
Bei beiden Varianten sorgt nicht nur die Gummidichtung dafür, dass kein Wasser mehr fließt, sondern auch der Zustand von Sitzflächen, Ventilspindeln, Kartuschen und Gehäuse.
Wenn eines dieser Teile beschädigt oder verschlissen ist, tropft der Wasserhahn weiter – selbst mit nagelneuer Dichtung.
Die häufigsten Gründe, warum der Wasserhahn weiter tropft
Der Ventilsitz ist beschädigt oder verkalkt
Der Ventilsitz ist die Fläche im Inneren des Wasserhahns, auf die die Dichtung beim Zudrehen gedrückt wird. Ist diese Fläche:
- zerkratzt
- uneben
- stark verkalkt
- korrodiert
kann die neue Dichtung nicht sauber abdichten. Das Wasser findet immer einen Weg vorbei.
Typisch ist dieses Problem bei älteren Armaturen oder bei sehr hartem Wasser. Selbst kleinste Rillen reichen aus, damit der Hahn weiter tropft.
Die falsche Dichtung wurde eingebaut
Nicht jede Dichtung passt zu jedem Wasserhahn, auch wenn sie äußerlich ähnlich aussieht. Unterschiede gibt es bei:
- Durchmesser
- Dicke
- Härte des Materials
Ist die Dichtung minimal zu dünn oder zu weich, wird sie nicht stark genug gegen den Ventilsitz gedrückt. Das Ergebnis ist ein langsames, aber dauerhaftes Tropfen.
Die Dichtung sitzt nicht richtig
Ein sehr häufiger Fehler beim Selbermachen ist eine verdrehte oder verkantete Dichtung. Schon eine leicht schief eingesetzte Dichtung kann dazu führen, dass der Hahn nicht vollständig schließt.
Auch kleine Fremdkörper wie Kalkkrümel oder Sandreste unter der Dichtung reichen aus, um das Abdichten zu verhindern.
Das Ventiloberteil ist verschlissen
Bei Zwei-Griff-Armaturen nutzt sich mit der Zeit das gesamte Ventiloberteil ab. Die Spindel kann Spiel bekommen oder nicht mehr exakt geführt werden. In diesem Fall drückt die neue Dichtung zwar gegen den Sitz, aber nicht mehr mit dem nötigen Druck.
Das führt dazu, dass:
- der Hahn sich ungewöhnlich leicht drehen lässt
- der Anschlag schwammig wirkt
- das Tropfen trotz neuer Dichtung bleibt
Hier hilft oft nur der Austausch des kompletten Ventiloberteils.
Die Kartusche ist defekt
Bei Einhebelmischern gibt es keine klassische Dichtung im Sinne eines Gummirings, der das Wasser absperrt. Stattdessen übernimmt eine Kartusche diese Aufgabe.
Wenn der Wasserhahn trotz Dichtungswechsel tropft, liegt das bei Einhebelmischern fast immer an:
- verschlissenen Keramikscheiben
- Kalkablagerungen in der Kartusche
- Haarrissen im Kartuschenkörper
In diesem Fall bringt der Tausch einzelner Dichtungen nichts. Die Kartusche muss komplett ersetzt werden.
Zu festes Anziehen hat Schaden verursacht
Ein unterschätztes Problem ist Überdrehen. Wird der Wasserhahn zu fest zugedreht, kann das:
- die neue Dichtung quetschen
- den Ventilsitz beschädigen
- Keramikteile in der Kartusche schädigen
Danach tropft der Hahn selbst mit neuen Teilen weiter, weil die Dichtflächen nicht mehr sauber aufeinanderliegen.
Kalk blockiert das vollständige Schließen
Kalkablagerungen setzen sich nicht nur außen ab, sondern auch tief im Inneren. Besonders betroffen sind:
- Ventilführungen
- Kartuschenkammern
- Übergänge zwischen Dichtung und Sitz
Dadurch lässt sich der Hahn mechanisch nicht mehr komplett schließen, auch wenn er sich äußerlich „zu“ anfühlt.
Warum das Tropfen manchmal schlimmer wird als vorher
Viele berichten, dass der Wasserhahn nach dem Dichtungswechsel stärker tropft als davor. Das hat meist einen einfachen Grund: Die alte, verhärtete Dichtung hat sich über Jahre an den beschädigten Ventilsitz angepasst. Die neue, flexible Dichtung kann diese Unebenheiten nicht ausgleichen.
Das bedeutet:
- vorher langsames Tropfen
- nach dem Wechsel schnelleres Tropfen
In solchen Fällen ist die Dichtung nicht das eigentliche Problem, sondern der Sitz oder das Ventil.
Wann eine neue Dichtung sinnvoll ist – und wann nicht
Ein Dichtungswechsel ist sinnvoll, wenn:
- der Wasserhahn noch relativ neu ist
- keine Korrosion sichtbar ist
- das Tropfen plötzlich begonnen hat
- die Armatur bisher leichtgängig war
Er bringt meist nichts, wenn:
- die Armatur sehr alt ist
- Kalk und Rost deutlich sichtbar sind
- der Hahn schon lange schwergängig ist
- bereits mehrfach nachgebessert wurde
Dann spart der Austausch einzelner Teile selten Geld oder Zeit.
Wie man das Problem systematisch eingrenzt
Um herauszufinden, warum der Wasserhahn trotz neuer Dichtung tropft, hilft eine klare Reihenfolge:
- Prüfen, ob es sich um Zwei-Griff-Armatur oder Einhebelmischer handelt
- Kontrolle, ob die Dichtung exakt passt und korrekt sitzt
- Sichtprüfung des Ventilsitzes auf Riefen und Kalk
- Beweglichkeit und Spiel des Ventiloberteils prüfen
- Bei Einhebelmischern Kartusche als Ursache in Betracht ziehen
So vermeidet man unnötiges Austauschen auf Verdacht.
Langfristige Lösungen statt ständiger Reparaturen
Manchmal ist der Punkt erreicht, an dem Reparaturen keinen Sinn mehr machen. Ein neuer Wasserhahn kann langfristig günstiger sein als:
- regelmäßige Ersatzteile
- steigender Wasserverbrauch
- Folgeschäden durch Kalk und Feuchtigkeit
Gerade bei sehr alten Armaturen ist ein kompletter Austausch oft die nachhaltigste Lösung.
Häufige Fragen
Kann ein Wasserhahn auch mit neuer Dichtung weiter tropfen?
Ja, sehr häufig sogar. Ursache sind meist ein beschädigter Ventilsitz, eine defekte Kartusche oder ein verschlissenes Ventiloberteil.
Reicht Entkalken aus, um das Tropfen zu stoppen?
Manchmal. Bei leichten Ablagerungen kann Entkalken helfen. Bei Riefen oder Korrosion jedoch nicht.
Wie erkenne ich, ob die Kartusche defekt ist?
Wenn es sich um einen Einhebelmischer handelt und der Dichtungswechsel keine Wirkung zeigt, ist die Kartusche fast immer die Ursache.
Ist ein tropfender Wasserhahn teuer?
Ein einzelner Tropfen wirkt harmlos, kann aber über Wochen und Monate mehrere tausend Liter Wasser verschwenden.
Sollte man den Hahn besonders fest zudrehen?
Nein. Zu festes Zudrehen schadet Dichtungen und Dichtflächen und verschlimmert das Problem langfristig.
Kann man den Ventilsitz reparieren?
In manchen Fällen ja, etwa durch vorsichtiges Nacharbeiten. Oft ist der Austausch jedoch sinnvoller.
Fazit
Wenn der Wasserhahn trotz neuer Dichtung tropft, liegt das Problem fast nie an der Dichtung allein. Meist sind Ventilsitz, Kartusche, Ventiloberteil oder Kalkablagerungen die eigentlichen Ursachen. Wer das System dahinter versteht, spart sich frustrierende Wiederholungsreparaturen und findet schneller eine dauerhafte Lösung.