Mieter wie Eigentümer kämpfen mit Feuchtigkeit, muffigem Geruch oder ersten Schimmelflecken im Untergeschoss. Den Keller vor Schimmel zu schützen bedeutet vor allem, Feuchtigkeit schnell zu erkennen, richtig zu lüften und bauliche Ursachen zu minimieren. Schimmel entsteht nie „einfach so“ – er braucht Feuchtigkeit, organisches Material und schlechte Luftzirkulation. Wenn man versteht, woher die Nässe kommt, lässt sich der Keller dauerhaft trocken und gesund halten.
Kellerräume sind durch ihre Lage besonders anfällig: Sie liegen teilweise oder vollständig unter Erdlevel, sind kühler als der Rest des Hauses und haben weniger Sonnenwärme. Dadurch sammelt sich Feuchtigkeit schneller, und Schimmelsporen finden leicht einen Nährboden. Mit ein paar gezielten Maßnahmen lässt sich das Risiko jedoch stark reduzieren.
Warum entsteht Schimmel besonders häufig im Keller?
1. Zu hohe Luftfeuchtigkeit
Kellerräume sind oft kühl. Warme, feuchte Luft von draußen kondensiert an den kalten Wänden – ideal für Schimmel.
2. Falsches Lüften
Viele lüften im Sommer falsch.
Warme Außenluft + kalte Innenwände = Kondenswasser → Schimmel.
3. Feuchtigkeit aus dem Erdreich
Alte Abdichtungen, fehlende Sperrschichten oder Risse in der Wand lassen Feuchtigkeit einwandern.
4. Rohrleitungen & Kondenswasser
Kalte Wasserrohre können stark schwitzen. Tropft das Wasser ab, entsteht Feuchtigkeit an Wand oder Boden.
5. Falsche Lagerräume
Karton, Holz, Stoffe oder Möbel an Außenwänden speichern Nässe und schimmeln sehr schnell.
6. Mangelnde Luftzirkulation
Gestapelte Gegenstände, zu viele Möbel oder zugestellte Wände verhindern, dass der Keller atmen kann.
Welche Maßnahmen schützen am effektivsten vor Schimmel?
1. Richtig lüften – aber zur richtigen Tageszeit
Das wichtigste Prinzip:
Keller im Sommer möglichst NICHT tagsüber lüften.
Richtig ist:
- Frühmorgens
- Spätabends
- Bei kühler, trockener Außenluft
- Im Winter jederzeit lüften (Außenluft ist trocken)
Warum?
Warme Luft speichert mehr Feuchtigkeit. Trifft sie im Sommer auf kalte Kellerwände, kondensiert sie – wie am kalten Getränkeglas.
2. Luftfeuchtigkeit überwachen
Mit einem Hygrometer sollte die Luftfeuchte im Keller bei 50–60 % liegen.
Über 65 % steigt das Schimmelrisiko stark an.
- elektrische Luftentfeuchter
- Granulat-Entfeuchter für kleine Räume
- regelmäßiges Stoßlüften im Winter
3. Abstand zu den Wänden halten
Mindestens 5–10 cm Abstand zwischen Möbeln/Kisten und Außenwand lassen, damit Luft zirkulieren kann.
Karten, Holz und Textilien niemals direkt an die Wand stellen.
4. Möglichst wenig Papier, Karton oder Stoff im Keller lagern
Diese Materialien ziehen Feuchtigkeit an und schimmeln schnell.
Besser:
- Kunststoffboxen
- dicht verschließbare Behälter
- Regale mit Wandabstand
5. Rohre isolieren
Kaltes Leitungswasser erzeugt bei hoher Luftfeuchte Kondenswasser.
Lösung:
- Rohrdämmung aus Schaumstoff
- Tropfwannen bei problematischen Stellen
6. Bauliche Ursachen prüfen
Wenn Feuchtigkeit von außen eindringt:
- Risse im Mauerwerk prüfen
- defekte Abdichtung erneuern
- Drainage kontrollieren
- Fachbetrieb zur Einschätzung holen
Bei altem Mauerwerk: horizontale Sperrschicht prüfen lassen.
7. Wände trocken halten
Kondenswasserbildung lässt sich mindern durch:
- Wandflächen regelmäßig freiräumen
- Wände nicht zustellen
- Kalkfarbe statt Dispersionsfarbe (kalkregulierend, schimmelhemmend)
8. Bodenfeuchtigkeit eindämmen
Bei aufsteigender Feuchtigkeit:
- Boden neu abdichten
- Dampfbremse verlegen
- ggf. Sanierungspumpe, wenn Grundwasser hoch steht
Der große Praxisabschnitt: Was im Keller wirklich passiert – und warum Schimmel so schnell entsteht
Ein Keller ist ein natürlicher Kältespeicher. Im Sommer treffen zwei völlig unterschiedliche Klimazonen aufeinander: warme Außenluft und kalte Innenwände. Diese Temperaturdifferenz führt dazu, dass Luftfeuchtigkeit an den Wänden kondensiert.
Sobald Kondenswasser entsteht, bilden sich feuchte Mikrobereiche – perfekt für Schimmelsporen. Diese Sporen sind überall in der Luft, aber erst feuchte Flächen aktivieren sie. Dazu kommen Staub, Pappe, alte Möbel oder unverputzte Wände, die organisches Material bieten. Schimmel braucht nur ein Minimum an Nährstoffen, um sich auszubreiten.
Der Kellerboden ist ebenfalls gefährdet. Viele Altbauten haben keine moderne Abdichtung. Feuchtigkeit steigt langsam aus dem Erdreich in die Mauer auf. Dadurch wird die Wand feucht, verliert Dämmwirkung und kühlt noch stärker ab – ein Teufelskreis: Kältere Wand = mehr Kondenswasser = mehr Schimmel.
Auch Rohre spielen eine große Rolle. Kaltes Wasser in Metallrohren führt zur Taupunktüberschreitung, wenn die Raumluft zu feucht ist. Das Rohr „schwitzt“ und lässt Tropfen auf den Boden fallen. Bald bildet sich ein feuchter Fleck, dann Schimmel.
Warum viele Lüftungsfehler passieren: Menschen lüften den Keller wie Wohnräume – im Sommer bei warmem Wetter. Doch genau dann passiert das Gegenteil der gewünschten Wirkung: Die warme Luft kühlt ab und schlägt sich als Wasser nieder. Deshalb ist Zeitmanagement der wichtigste Trick überhaupt.
Kurz gesagt: Schimmel entsteht im Keller durch das Zusammenspiel von Temperatur, Feuchtigkeit, Luftfehlern und organischem Material. Wer diese Punkte kennt, kann gezielt dagegen arbeiten.
Weitere praktische Tipps gegen Feuchtigkeit & Schimmel
1. Kellertüren nicht dauerhaft offenlassen
Sonst gelangt warme Luft aus dem Haus in den Keller.
2. Elektrische Entfeuchter mit Timer nutzen
Ideal:
- morgens
- abends
- bei über 65 % Luftfeuchte automatisch anschalten
3. Bei Neubauten Geduld haben
In den ersten 1–2 Jahren trocknen Wände langsam aus. Regelmäßige Kontrolle hilft.
4. Naturkalk an Wänden einsetzen
Atmungsaktiv, feuchtigkeitsregulierend und schimmelhemmend.
5. Teppiche und Holz vermeiden
Sie speichern Feuchtigkeit und schimmeln schnell.
6. Untergestelle für Kisten & Geräte nutzen
Beugt Bodenfeuchte vor.
7. Dichtungen an Kellerfenstern prüfen
Undichte Fenster lassen feuchte Außenluft leichter rein.
Häufige Fragen
Warum riecht mein Keller modrig?
Meist durch hohe Luftfeuchte + erste Schimmelbildung in Ecken, Kartons oder Holz.
Hilft ein Luftentfeuchter wirklich?
Ja – besonders in Sommermonaten oder schlecht lüftbaren Kellern.
Soll ich meinen Keller auch im Winter lüften?
Ja! Winterluft ist trocken und ideal zum Entfeuchten.
Was tun, wenn einzelne Wände ständig nass sind?
Wandtemperatur prüfen, Außenabdichtung prüfen lassen, ggf. Fachbetrieb kontaktieren.
Sind Schimmelentferner sinnvoll?
Nur kurzfristig. Dauerhaft hilft nur Feuchtigkeitsbeseitigung.
Können Möbel an Außenwänden stehen?
Nur mit Abstand und guter Luftzirkulation.
Zusammenfassung
Ein Keller bleibt schimmelfrei, wenn Feuchtigkeit kontrolliert, richtig gelüftet und Wärmebrücken im Griff gehalten werden. Wichtige Maßnahmen sind: nur bei kalter Außenluft lüften, Luftfeuchtigkeit messen, Abstand zu den Wänden einhalten, Rohre isolieren, empfindliche Materialien nicht offen lagern und bauliche Schwachstellen prüfen. Feuchtigkeit ist immer der Auslöser – wird sie beseitigt, verschwindet auch das Schimmelrisiko.
Fazit
Einen Keller vor Schimmel zu schützen bedeutet, Feuchtigkeit konsequent zu bekämpfen. Mit der richtigen Lüftungsstrategie, guten Entfeuchtungshilfen, ausreichender Luftzirkulation und trockenen Lagerbedingungen bleibt der Keller dauerhaft sauber und gesund. Wer Ursachen und Zusammenhänge versteht, kann Schimmel wirksam stoppen – bevor er überhaupt entsteht.